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Fotografie Grundkurs (4/11): Weißabgleich
FS schreibt in Foto-Know-How am 20.06.2010
Auch wenn wir Licht meistens als weiß wahrnehmen, ist nicht jede Lichtquelle gleich weiß. Je nach Art der Lichtquelle kann sich die Farbe des Lichts teils deutlich unterscheiden. Das menschliche Auge passt sich daran automatisch an, sodass die unterschiedlichen Lichtfarben nicht so sehr auffallen. Bei Kameras nennt sich diese Anpassung “Weißabgleich”.
Weißes Licht setzt sich aus allen Teilen des vom Menschen wahrnehmbaren Farbspektrums von Violett über Blau, Grün, Geld bis Rot zusammen. Allerdings strahlt nicht jede Lichtquelle die einzelnen Farbanteile in gleichem Maße ab. Je nach Art der Lichterzeugung gibt es Schwerpunkte in verschiedenen Farbbereichen.
Um diese Farbgewichtung zu beschreiben spricht man von der sogenannten Farbtemperatur. Diese bezieht sich auf das Licht, das von einem theoretischen idealen schwarzen Körper abgegeben wird, wenn er glühend heiß wird. Das Licht der Sonne beispielsweise entspricht dem eines schwarzen Körpers bei 5600 Kelvin (ungefähr 5 326 Grad Celsius). Das Licht von Glühlampen hingegen entspricht ungefähr einem schwarzen Körper bei 2300 Kelvin (2 026 Grad Celsius). Je heißer der Körper glüht, desto bläulicher wird das Licht.
Letztendlich hat fast jede Lichtquelle ihre eigene Farbe. Selbst die Sonne verändert ihre Lichttemperatur je nach Tageszeit, Bewölkung und Luftreinheit. Die Farbtemperatur von Glühbirnen schwankt leicht von Hersteller zu Hersteller und ist anders als die von Neonröhren, die sich ebenfalls untereinander stark unterscheiden. Konstant sind lediglich speziell zur Beleuchtung gefertigte Leuchtmittel, die auf bestimmte Farbtemperaturen (meist 3400 Kelvin für Kunstlicht, oder 5600 Kelvin für Tageslicht) justiert sind.
Damit wir die Welt nicht andauernd mit einem Farbstich wahrnehmen, passt sich unsere Wahrnehmung laufend daran an. So kommt es, dass wir ein weißes Blatt Papier auch immer als weiß wahrnehmen, egal ob wir es unter blauem Himmel oder gelben Kerzenlicht ansehen. Bei Digitalkameras übernimmt diese Funktion der Weißabgleich. Er gewichtet die vom Sensor aufgefangenen Farben so, dass wieder ein möglichst reines Weiß herauskommt.

Das gleiche Bild mit idealem Weißabgleich (links, 4600K), Weißabgleich für Kunstlicht (mitte, 2300K) und der Tageslicht-Voreinstellung (rechts, 5500K).
Dabei kann man als Fotograf zwischen verschiedenen Weißabgleich-Modi wählen. Es gibt den automatischen Weißabgleich, den manuellen Weißabgleich und vorgegebene Weißabgleiche.
Beim automatischen Weißabgleich entscheidet die Kamera während der Aufnahme, wie die Farben gewichtet werden sollen. Dies kann immer nur eine möglichst genaue Schätzung sein, denn die Möglichkeiten der Kamera, um die Farbtemperatur wirklich zu messen, sind stark begrenzt. Dennoch beherrschen moderne Kameras diese Automatik inzwischen sehr gut, sodass die Fehlerrate gering ist. In schwierigen Lichtsituationen kann die Kamera jedoch durchaus auch einmal daneben liegen. Zudem misst die Kamera bei jedem Foto erneut. Man läuft also Gefahr, dass in einer Bildreihe verschiedene Fotos auch einen unterschiedlichen Weißabgleich und damit unterschiedliche Farbigkeit aufweisen.
Wer einen perfekten Weißabgleich erzielen will, kommt um den manuellen Modus nicht herum. Hierbei fotografiert man eine weiße Fläche, wie beispielsweise ein Blatt Papier, oder eine spezielle “Weißkarte”, formatfüllend. Die Kamera kann dann daraus den perfekten Weißabgleich bestimmen, sodass diese weiße Fläche auch wirklich reinweiß ist. Wie genau der manuelle Weißabgleich ausgelöst wird, ist von Kamera zu Kamera verschieden und wird im Handbuch der jeweiligen Kamera beschrieben. Das grundlegende Prinzip ist jedoch stets das gleiche.
Eine Zwischenform stellen die Weißabgleichsvoreinstellungen, häufig auch Presets genannt, dar. Hier kann der Fotograf aus verschiedenen Voreinstellungen auswählen. Je nach Kamera gibt es unterschiedlich viele dieser Voreinstellungen. Beispielsweise für Tageslicht, Kunstlicht, Neonlicht, Blitzlicht und schattiges Tageslicht. Im Vergleich zum manuellen Weißabgleich ist diese Methode deutlich unkomplizierter und schneller, ist aber dafür nicht so exakt. Im Gegensatz zum automatischen Weißabgleich kann man sich darauf verlassen, dass der Weißabgleich für jedes Bild konstant bleibt. Für viele alltägliche Lichtsituationen sind die Voreinstellungen durchaus genau genug.

Nachträgliche Anpassung des Weißabgeichs in Adobe Camera Raw
Auch der beste Weißabgleich hilft jedoch nicht, wenn das Objekt von unterschiedlichen Lichtquellen beleuchtet wird. Bei solch einem Mischlicht muss man sich entscheiden, welches Licht man neutral wiedergeben möchte, und welches zu einem Farbstich führt. In solchen Grenzsituationen empfielt sich besonders ein manueller Weißabgleich, oder die Auswahl einer Voreinstellung, da der automatische Weißabgleich zu besonders unberechenbare Ergebnissen führt.
Wer im RAW-Format fotografiert hat beim Weißabgleich übrigens einen gewichtigen Vorteil: Dieser kann bei RAW auch im Nachhinein noch verändert werden (siehe “Raw vs. JPEG” aus dieser Reihe). In Raw-Konvertern wie beispielsweise Adobe Camera RAW kann man den Weißabgleich in kleinsten Schritten anpassen und ausprobieren. Dadurch kann man der Wahl des Weißabgleichs bei der Aufnahme entlassener entgegen sehen.
Weihnachten Fotografieren – die 10 besten Fototipps
MB schreibt in Foto-Know-How am 23.12.2009
Weihnachten ist da, und wie jedes Jahr möchte man die Stimmung auch fotografisch festhalten.
Doch unterm Weihnachtsbaum herrschein scheinbar eigene Gesetze der Fotografie.
Kerzenlicht, Kunstlicht und vor allem die neuartigen LED-Lichterketten machen jeder Digitalkamera schwer zu schaffen.
Damit die Fotos auch so aussehen, wie man sie gerne haben möchte haben wir hier die zehn wichtigsten Tipps dazu:
1. Weißabgleich: Wer nicht RAW fotografiert sollte den Weißabgleich unbedingt manuell vornehmen. Wie das geht steht im Kamera-Handbuch. Alternativ: Auf Kunstlicht einstellen.
2. Weihnachts-Portraits: Hier ist eine ruhige Ecke mit einer oder zwei definierten Lichtquellen ratsam. Am besten sucht mach sich einen ruhigen Zeitpunkt für die Fotos.
3. Vorher fotografieren: Stimmungsvolle Bilder gibts auch schon bei den Vorbereitungen zum Fest. Essen wird zubereitet, Geschenke werden verpackt, der Baum wird geschmückt.
4. Serien machen: Eine witzige Idee: Kamera auf ein Stativ stellen und per Serienbildfunktion alle 10 Minuten ein Bild machen. Man kann ja nachher aussortieren…
5. Belichtung: Eine Herausforderung ist die korrekte Belichtung einer weihnachtlichen Szene. Das Histogramm kann hier helfen, da die Kamera oft durch direkte Lichtquellen falsch belichtet.
6. Die richtige Perspektive: Es gibt unzählige Dinge zu sehen. Allein der Christbaumschmuck oder die Krippe quellen nur so über vor Details. Interessant werden die Aufnahmen, wenn man nahe ranzoomt und sich auf ein, zwei Objekte pro Foto beschränkt.
7. Gruppenfotos: Gruppenfotos sollte man so früh wie möglich machen, etwa direkt wenn alle Teilnehmer eingetroffen sind. So vermeidet man Bilder, in denen der Eine oder Andere vielleicht durch Glühwein schon eine rote Nase hat.
8. Geschenke: Beim Geschenke auspacken geht es zu wie in der Sport-Fotografie. Das Timing ist einfach alles. Hier sollte man die Kamera auf Serienbild schalten und so viel knipsen wie es geht. Mit ein wenig Geschick wird genau der Moment eingefangen, in dem das Leuchten in den Augen zu sehen ist.
9. Blitz: Dieser Tip gilt eigentlich nicht nur zu Weihnachten. Direkte, vor allem in die Kamera integrierte Blitze rauben den Bildern die Stimmung. So sollte indirekt oder nur mit Diffusor geblitzt werden. Oder noch besser: Durch Belichtungszeit und Blende ohne Blitz fotografieren, um zum Beispiel eine Kerze richtig einzufangen.
10: Aussendeko: Nicht nur in der guten Stube drinnen ist Weihnachten. Auch in den Vorgärten und Balkonen tummeln sich alle möglichen Rentiere, Weihnachtsmänner und Lichterketten. Diese geben ein hervorragendes Motiv ab!
Und nun: Fröhliche Weihnachten, und viel Erfolg beim Fotografieren!




