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Erfahrungsbericht: Fotografieren in Marrakesch

Gebäude und Landschaften in den unterschiedlichsten Ocker-, Rot- und Braun-Tönen, eine Stadt voller interessanter Gesichter, welche ganz anders zu altern scheinen als die europäischen, und Stände voller farbiger Gewürze und frischem Obst. Marrakesch ist ein Paradies für den geneigten Fotografen, so möge man meinen. Allerdings fällt schnell auf, wie sich viele Leute weg drehen oder die Hand vor das Gesicht nehmen, sobald man die Kamera zückt.

Der durchschnittliche Marokkaner scheint nicht gerne fotografiert zu werden. Unterschiedliche Ursachen wurden mir dafür genannt. Zum einen gibt es das Bildverbot im Islam, welches die bildliche Darstellung von Lebewesen untersagt. Dies ist ein umstrittenes Thema, insbesondere da der Koran selbst kein Bildverbot enthält. Eine andere Ursache scheint ein Aberglaube zu sein, nach welchem ein Foto dem Fotografierten Lebensgeist einzieht.

Mit Respekt und Umsicht sollte man auf diese Ablehnung gegenüber dem Fotografieren eingehen. Wenn man vorher fragt, so kann man durchaus einige Leute finden, welche nichts gegen ein Foto einzuwenden haben. Nicht wenige halten danach die Hand auf und erwarten ein Entgelt für ihre Bereitschaft sich ablichten zu lassen. Das gilt sowohl für den kleinen spielenden Jungen als auch für den alten Greis. Besonders extrem ist dies auf dem Djemaa el Fna, dem zentralen und berühmten Marktplatz der Stadt. Der Platz füllt sich abends mit Leben, wenn die Essstände aufgebaut und die Geschichtenerzähler, Schauspieler, Schlangenbeschwörer und Musiker Publikum um sich scharen. Sobald man den Auslöser drückt oder gar mit Blitz fotografiert ist schon jemand aufgetaucht und hält die Hand für eine Gabe hin. Selbst wenn sich dutzende Leute in einem engen Kreis um ein Schauspiel stellen wird man in Windeseile gefunden. Sollte man nach gemachtem Foto nicht einsehen dafür Geld bezahlen zu müssen, so lernt man schnell, wie beharrlich und auch laut die Fotografierten sich zu beschweren wissen.

Auf Dauer fand ich dieses stetige Notwendigkeit des Verhandelns zu mühselig und packte meine Kamera immer seltener aus. Wer allerdings sehr kontaktfreudig ist und Gefallen am Feilschen findet, der kann sich vieler schöner Motive Gewiss sein.

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