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Fotografie Grundkurs (3/11): RAW vs. JPEG
HS schreibt in Foto-Know-How am 23.05.2010
Welches Format ist geeigneter? Soll ich meine Aufnahmen in Raw oder Jpeg machen? Diese Fragen beschäftigen uns schon seit Beginn der Digitaltechnik. Doch bevor wir einen Überblick über die Vor-und Nachteile dieser beide Formate geben, möchten wir zunächst erklären was Raw und Jpeg eigentlich sind.
Das RAW Format
Im sogenannten Raw-Format werden die vom Sensor erfassten Bildinformationen möglichst unverändert aufgezeichnet. Daher spricht man auch von einem Rohdatenformat.
Ein großer Vorteil des Rohformates gegenüber Jpeg ist, dass wichtige gestalterische und qualitätsentscheidende Einstellungen wie z.B. Belichtung, Weißabgleich und Kontrast nicht bei der Speicherung in der Kamera festgelegt werden, sondern später bei der Umwandlung im RAW- Konverter beeinflusst werden können.
Besonders die Möglichkeiten der Belichtungskorrektur während der Konvertierung erweißt sich als toller Vorteil gegenüber JPEG. Die RAW-Datei enthält alle Helligkeitsinformationen die der Sensor erfassen kann. Die Anzahl der Helligkeitsstufen bei Raw liegt zwischen 1.024 und 16.384 Abstufungen. Bei Jpeg dagegen werden nur 256 Helligkeitsabstufungen gespeichert. Welche Nachteile dies für JPEG-Aufnahmen mit sich bringt, wird etwas später in diesem Artikel erläutert. Die große Anzahl der aufgenommenen Helligkeitsstufen bei Raw bietet umfangreiche Möglichkeiten der Bildgestaltung und Korrekturen der Belichtung, wie an folgendem Beispiel gezeigt wird:

Durch das Anpassen der Helligkeit während des Konvertierungsvorgangs kann sowohl die Struktur der weißen Kuppel, als auch die Farbinformationen in den Schatten der Kirchenbänke herausgearbeitet werden. Das linke Bild zeigt die Aufnahme ohne Korrekturen. In der Mitte wurde die Helligkeit angehoben und im rechten Bild zeitgleich die Farbtemperatur angepasst.
Da RAW-Formate keine Kompression beinhalten, belegen sie jedoch erheblich mehr Speicherplatz als das komprimierte JPEG. Eine Raw-Aufnahme benötigt ca. den 3- fachen Speicherbedarf wie ein Jpeg der gleichen Größe. Dadurch passen weniger Bilder auf eine Speicherkarte und die Kamera braucht bedeutend länger um die Bilder zu speichern und wieder aufnahmebereit zu sein.
Zudem stellt eine RAW-Aufnahme in der Nachbearbeitung größere Ansprüche an den Rechner, da aus den Rohdaten erst ein darstellbares Bild errechnet werden muss. Für moderne PCs ist das normalerweise kein Problem, aber auf älteren Systemen ist der Unterschied durchaus spürbar.
Die Raw-Formate der einzelnen Hersteller sind nicht miteinander kompatibel und müssen mit einer herstellereigenen Software zur Bearbeitung in ein kompatibles Format umgewandelt werden. Mittlerweile enthält aber beinahe jede Bildbearbeitungssoftware einen integrierten Raw-Konverter. Dennoch bleibt die Unsicherheit ob die Original Rohdateien in einigen Jahren noch gelesen werden können, oder ob die dann verwendete Software das Format der eigenen Kamera eventuell nicht mehr beherrscht.
Hier bietet Adobe zukünftig eine Lösung an. Das “Digital Negative” (Abk: DNG) ist ein Archivformat, das verspricht, auch in Zukunft problemlos verarbeitet werden zu können. Der große Vorteil von DNG ist, dass die Bilder nicht mehr im herstellerspezifischen Format, sondern in einem verbreiteten Standard archiviert werden können. Somit ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass die Daten auch in Jahren noch lesbar sein werden. Zudem bietet DNG eine verlustfreie Kompression, die die Dateigröße etwas reduziert, ohne dabei die Vorteile des Rohdatenformats einzubüßen. Adobe bietet kostenfreie Konverter an, mit denen die Raw-Daten ihrer Kamera in das verlustfreie DNG Format gewandelt werden können. Kameras selbst können bisher nur selten direkt im DNG-Format aufnehmen.
Das JPEG Format
Im Gegensatz zum RAW-Format werden bei JPEG die vom Sensor erfassten Daten vor der Aufzeichnung bereits interpretiert. Dadurch lässt sich das Bild kompakter speichern, aber all die oben erwähnten Vorteile wie beispielsweise die nachträgliche Beeinflussung des Weißabgleichs gehen verloren.
Zudem ist die bei JPEG verwendete Kompression verlustbehaftet. Bei der Speicherung des Bildes gehen durch den Komprimierungsvorgang Informationen verloren. Ob und wie stark dieser Qualitätsverlust wahrnehmbar ist, ist abhängig von der Stärke der Kompression. Diese kann meist an der Kamera eingestellt werden. Der Qualitätsverlust bei jedem Speichervorgang spielt vor allem in der Nachbearbeitung eine Rolle. Wird die Jpeg-Datei geöffnet, verändert, gespeichert und anschließend wieder geschlossen so findet jedes Mal eine erneute Komprimierung statt. Mit jedem solchen Zyklus nimmt die Bildqualität des Jpegs ab und Kompressionartefakte werden schnell sichtbar.

Ausschnitt einer Jpeg Aufnahme nach dem 1. und nach dem 10. Speichervorgang
Wie schon zuvor erwähnt ist ein weitere Nachteil von JPEG die geringe Farbtiefe. Die Farbtiefe ist bei Jpeg auf 8 Bit pro Farbkanal beschränkt ist. Dies bedeutet, dass jedes Pixel eine von 256 Helligkeitsabstufungen beziehungsweise Farbwerten annehmen kann. Insgesamt lassen sich damit ca 16,7 Millionen unterschiedliche Farben darstellen. Auch wenn dies eine unvorstellbare hohe Zahl ist, sind 8 Bit Farbtiefe bei extremen Lichtverhältnissen nicht ausreichend um beispielsweise tiefe Schatten und sehr helle Lichter gleichzeitig darzustellen. Im Raw-Format hingegen sind die gebräuchlichen Farbtiefen 10, 12 oder 16 Bit Helligkeitsinformationen, woraus bei beispielsweise 16 Bit Farbtiefe pro Farbkanal 281474976710656 (ca. 281 Billionen) Farbmöglichkeiten entstehen.
Welches Format ist das richtige für mich?
Die Wahl des richtigen Formates hängt natürlich vom jeweiligen Einsatzzweck ab. Wünscht man sich eine maximale Flexibilität in der Nachbearbeitung, beispielsweise bei Studioaufnahmen, dann empfiehlt sich das RAW-Format.
Auch bei schwierigen Lichtsituationen bietet sich RAW an, da die größere Farbtiefe einem mehr Möglichkeiten zur späteren Korrektur bietet. Bei JPEG muss die Belichtung bereits bei der Aufnahme relativ genau stimmen.
Ist man darauf angewiesen, in kurzer Zeit möglichst viele Aufnahmen zu machen, beispielsweise in der Sportfotografie, dann ist JPEG eine naheliegende Wahl. RAW könnte zu Zwangspausen führen, in denen die Kamera die Bilder speichert. Zudem macht sich bei einer sowieso schon großen Anzahl an Fotos, auch der größere Speicherbedarf von RAW noch mehr bemerkbar.
Für Fotografie-Einsteiger bietet sich das JPEG-Format an, da es schlicht einfacher in der Handhabung ist und Ressourcen schont. Für Fotografen die sich auch nach diesem Artikel nicht entscheiden können bieten einige Kamerahersteller auch die Option “RAW & JPEG” an, welche schlicht beide Formate gleichzeitig speichert.




