Galileo Fotografie-Kurs (1/3): So gelingen ausdrucksstarke Porträts
MB schreibt in Foto-Know-How am 10.12.2010
Wir freuen uns sehr, euch in den nächsten Wochen einen weiteren Fotografie-Kurs präsentieren zu können. Dieses Mal in Zusammenarbeit mit dem renomierten Galileo-Verlag. Exklusiv hier im posterXXL Blog geben wir euch komplette Tipps aus dem tollen Fotografie-Buch Der große Fotokurs – Besser fotografieren lernen von der bekannten Foto-Trainerin Jacqueline Esen. Los geht es direkt mit Teil 1 und den besten 10 Regeln zur allseits beliebten Portrait-Fotografie. Viel Spaß!
So gelingen ausdrucksstarke Porträts
Was ist ein Porträt? Gehen wir davon aus, dass wir darunter die mehr oder weniger formatfüllende Abbildung eines Menschen verstehen, wobei die Aufnahme nur das Gesicht oder aber die ganze Person von Kopf bis Fuß zeigt. Allgemeine Fototipps beschränken sich auf Hinweise, was in typischen Standardsituationen ratsam ist. Typisch und Standard heißt aber auch oft: 08/15 für Ihr Bildergebnis. Was auch nur selten erwähnt wird: Nicht jeder Mensch ist vor der Kamera automatisch ein ausdrucksstarkes »Supermodel«. Die Persönlichkeit und Ausdruckskraft des oder der Porträtierten spielt für das Bild eine weitaus wichtigere Rolle als die Kameratechnik.
Bereits die Tatsache, ob Sie einen alten Mann oder eine junge Frau fotografieren, ob Sie eine Tages- oder Kunstlichtsituation vor sich haben, kann ganz unterschiedliche Konsequenzen für die gestalterische Umsetzung mit sich bringen. Woran Sie sich orientieren können:
Regel 1: Die Brennweite
Verwenden Sie kein Weitwinkelobjektiv, sondern die optimale Porträtbrennweite (70–100 mm). Achtung bei lichtstarken Objektiven: Wenn Sie an Ihrem Objektiv die Blende sehr weit öffnen, sind die Augen scharf, die Nase und die Ohren aber nicht mehr. Auch wenn Ihr Objektiv sehr lichtstark ist, schließen Sie die Blende um 2–3 Stufen, um ungewollte Unschärfe zu vermeiden.
Regel 2: Helligkeit einschätzen
Ist genug Umgebungshelligkeit vorhanden, um ohne Blitz zu fotografieren? Damit fangen Sie die natürliche Lichtstimmung am besten ein. Achten Sie auf die Belichtungszeit, um nicht zu verwackeln. Erhöhen Sie gegebenenfalls den ISO-Wert für Aufnahmen aus der Hand. Wenn es nicht ohne Blitz geht, blitzen Sie indirekt, oder verwenden Sie einen Diffusorvorsatz (Papierstreifen). Vielleicht können Sie die Aufnahme an einen Ort verlegen, wo die Lichtverhältnisse günstiger sind. Belichten Sie das Bild so, dass die hellsten Stellen nicht ausfressen.
Regel 3: Schärfe auf die Augen
Augen und Lippen sind für das Porträt am wichtigsten. Auf diese Punkte sollten Sie scharf stellen. Benutzen Sie für das jeweilige Aufnahmeformat (hoch/quer) den Autofokuspunkt, der das Auge trifft – raus aus der Mitte.
Regel 4: Lichtqualität beeinflussen
Fotografieren Sie ein Porträt in einer Lichtsituation, die dem Model schmeichelt. Dazu benötigen Sie am ehesten diffuses Licht, das Sie im Schatten oder an einem bedeckten Tag vorfinden. Benutzen Sie den Kamerablitz zum Aufhellen; an einem trüben Tag und im Schatten ersetzt er das Sonnenlicht und macht schönere Farben. Bei strahlendem Sonnenschein hellt er die Schatten auf. Wenn es eine Möglichkeit gibt, mit einem Reflektor zu arbeiten, setzen Sie ihn ein.
Spielen Sie auch mit den Möglichkeiten, die Ihnen besondere Lichtsituationen bieten. Licht von hinten lässt die Haare aufleuchten. Eine Unterbelichtung vermeiden Sie gegebenenfalls durch einen dosierten Aufhellblitz oder über die Plus-Minus-Korrektur.
Von wo kommt das Licht? Wo und wie verlaufen die Schatten? Vermeiden Sie extreme Kontraste, um unschöne Flecken oder tiefe Schattenzonen im Gesicht zu verhindern.
Regel 5: Farbstimmung beachten
Stellen Sie an der Kamera den zur Aufnahmesituation passenden Weißabgleich ein, und/oder benutzen Sie die Farbstile der Kamera (PORTRÄT) für schönere Hauttöne. Ist die Szene extrem bunt, behalten Sie den Schwarzweißmodus oder die Sepiatonung als Option im Hinterkopf. Ein Männerporträt können Sie im Hinblick auf Bildschnitt, Perspektive, Beleuchtung und Farbe ganz anders gestalten als ein Frauenporträt. Wechseln Sie die Perspektive! Wichtig ist, dass die Schärfe auf den Augen bleibt.
Regel 6: Hintergrund gestalten
Achten Sie nicht nur auf das Gesicht, sondern auf alles, was im Bildrahmen zu sehen ist. Verändern Sie den Bildausschnitt so, dass nichts Störendes neben oder hinter dem Hauptmotiv erscheint. Verändern Sie den Abstand zum Model, und gestalten Sie auch mit der Brennweite. Wie verändert sich der Hintergrund?
Wie viel Raum nimmt das Model ein, wie viel von der Umgebung wollen Sie noch im Bild sehen? Durch eine offene Blende (A/AV + niedriger Zahlenwert) verändern Sie die Weichheit des Hintergrundes.
Regel 7: Perspektive und Format variieren
Fotografieren Sie die Person nicht immer nur aus Augenhöhe, sondern auch einmal aus einer leichten Untersicht oder leicht von oben. So verändert sich nicht nur der Hintergrund, sondern die ganze Anmutung des Bildes.
Arbeiten Sie mit dem Hochformat oder dem Querformat, oder beschneiden Sie das Foto später zum Quadrat. Die Blickrichtung des Models lenkt auch den Blick des Betrachters. Lassen Sie in Blickrichtung des Models etwas mehr Raum als hinter dem Kopf. Der Blick des Betrachters folgt dem Blick der abgebildeten Person. Das Model stellt einen Bezug zur Umgebung her, das Bild bekommt eine andere Wirkung, je nachdem, was sonst noch zu sehen ist.
Tipp: Fotorecht
Sie können fremde Menschen ungefragt fotografieren. Wenn man Sie dabei nicht bemerkt und Sie Ihre Bilder nirgendwo veröffentlichen, ist das eine private Angelegenheit. Doch schon das Hochladen solcher Bilder in eine Internet-Community ist problematisch.
Regel 8: Anschnitt und Ausschnitt
Es muss nicht immer die ganze Person oder das ganze Gesicht zu sehen sein. Wagen Sie An- und Ausschnitte, gegebenenfalls später in der Nachbearbeitung.
Regel 9: Posing
Lassen Sie die Person den Kopf und den Körper drehen. Jeder hat eine Schokoladenseite. Was sieht freundlicher aus? Fotografieren Sie frontal von vorn, mal von links, mal von rechts. Brust raus, Bauch rein – eine normale Körperhaltung wirkt auf dem Foto oft zu schlaff. Eine aufrechte Haltung ist ungewohnt und erscheint dem Porträtierten oft steif, lässt ihn oder sie aber vorteilhafter aussehen.
Bei einem Halbprofil sollte das Model lieber nicht in die Kamera schauen. Die Augen des Models sollten immer der Nase folgen, nicht extrem seitlich zum Fotografen gedreht werden. Für eine seitliche Pose lassen Sie das Model den Körper aus der Hüfte oder Schulter drehen, nicht nur aus dem Hals heraus.
Bei Ganzkörperaufnahmen sehen normal gebaute Personen vorteilhafter und entspannter aus, wenn sie eine Schulter Richtung Kamera drehen und ihr Gewicht auf das Bein verlagern, das weiter vom Fotografen entfernt ist. Die Hände dürfen in die Hosen- oder Jackentaschen, wenn es der Entspannung dient. Kunstgriff: Ein kleiner Gegenstand gibt den Händen etwas zum Festhalten.
Regel 10: Auf das Model eingehen
Fühlt sich das Model unwohl, wenn es vor der Kamera posieren soll? Dann fotografieren Sie lieber unbemerkt. Sorgen Sie für eine Atmosphäre, in der sich der oder die Porträtierte wohlfühlt. Nutzen Sie die kleinen besonderen Momente, und drücken Sie auf den Auslöser, wenn die Person echte, spontane Handbewegungen macht. Das Nachstellen solcher Bewegungen (Haare aus dem Gesicht streichen, Brille aufsetzen) sieht meistens unecht aus. Nehmen Sie Impulse auf, die vom Model kommen. Nehmen Sie sich Zeit, und machen Sie viele, viele Fotos.
Tipp: Natürliche Ausstrahlung
Natürlich bedeutet für viele Menschen: völlig ungeschminkt. Leider sieht man im Foto dann auch jede Hautunreinheit. Ein bisschen Make-up und Puder zum Kaschieren darf allemal sein, es verringert den Aufwand bei der Bildbearbeitung.
Haben euch die Tipps gefallen? Diese und viele weitere Tipps auf 443 Seiten gibt es im Standardwerk Der große Fotokurs – Besser fotografieren lernen von der bekannten Foto-Trainerin Jacqueline Esen. Natürlich auch hier bei posterXXL.
Monsieur Niépce, das erste Foto und eine kleine Geschichte zur Fotografie
SP schreibt in News und Web-Tipps am 03.12.2010
Ein Foto zu schießen ist für uns heute eine alltägliche Situation. Wir machen nahezu beiläufig Fotos wenn wir etwas Nettes sehen oder einen schönen Moment festhalten wollen. Wenn uns ein Bild nicht gefällt löschen wir es.
Jedoch mussten davor kluge Köpfe Ideen haben, experimentieren und forschen, damit es überhaupt möglich wurde Dinge dauerhaft auf einem Medium festzuhalten.
Beginnen wir doch von Anfang an.
Zunächst mit dem Begriff Fotografie. Er setzt sich aus den altgriechischen Wörtern photos (”Licht”) und graphein (”zeichnen”, “malen”, “ritzen”) zusammen.
![]() Funtionsweise der Camera obscura |
Schon 400 v. Chr. war ein fotografieähnliches Verfahren bekannt – die Camera obscura (lat.: Dunkle Kammer). Es handelte sich um einen abgedunkelten Raum mit einem Loch in der Wand. Das einfallende Licht konnte so auf die gegenüberliegende Wand ein auf dem Kopf stehendes Abbild der Außenwelt projizieren. Später verfeinerte man die Technik soweit, dass aus dem abgedunkelten Raum ein Kästchen wurde. |
![]() Ältestes erhaltenes Foto der Welt von Joseph Nicéphore Niépce, 1826 |
Joseph Nicéphore Niépce (1765-1833) entwickelte ein Verfahren namens Heliografie. Die Fotos entstanden indem man versilberte Zinn- oder Kupferplatten mit Asphalt bestrich. Der Asphalt trocknete an den belichteten Stellen. Nach einer Fixierung mit Lavendelöl blieben diese Stellen auf der Platte erhalten und die weniger belichteten Stellen lösten sich. Auf diese Weise entstand 1826 das älteste und wahrscheinlich erste Bild der Welt. Jedoch waren Heliografien und die ersten Fotografien ausschließlich Unikate und benötigten mehrstündige Belichtungszeiten. Als langwierige Prozedur erwiesen sie sich als ungeeignet um lebende Objekte abzulichten. |
| William Henry Fox Talbot (1800-1877) versuchte sich mit lichtempfindlichem Papier. 1840 entwickelte er schließlich das Negativ-Verfahren. Jetzt konnte man das Papiernegativ beliebig oft reproduzieren.Von da an veränderte sich das Genre der Fotografie rasend schnell.
Die Belichtungszeiten verkürzten sich auf Sekunden und ermöglichten so auch das Abbilden von lebenden Objekten. Linsen wurden verbessert um die Schärfe der Objekte zu verbessern. |
|
![]() Übergroße historische Kamera |
Doch gab es bis dato jede Menge Defizite, die nach und nach gelöst wurden: Wegen der Lichtempfindlichkeit der Platten musste immer ein Dunkelkammerzelt mitgeführt werden. Die Platten, auf die das Bild projiziert wurde mussten, sofort entwickelt werden. Ein weiteres Hindernis der Fotografie in Kindertagen war, die Tatsache dass die Aufnahmegröße der Größe des fertigen Fotos entsprach und somit große und unhandliche Kameras benutzt werden mussten. |
![]() Rollfilme eines analogen Fotoapparats |
Heute hat man sich von der der Methode ein Bild auf ein lichtempfindliches Medium zu projizieren (=analoges Verfahren), weitgehend abgewandt. Die Digitalkameras revolutionierten unsere Fotografie-Gewohnheiten in den letzten Jahren am meisten. Sie lief den Kameras mit Film weitgehend den Rang ab und eröffnete uns die Möglichkeit unter anderem das geschossene Bild unverzüglich nach dem schießen betrachten zu können. Die Fotografie ist in unserer Gesellschaft nicht mehr wegzudenken. Sie ist eine eigenständige Kunstform geworden, dient als Zeitzeuge der Geschichte, als Dokumentationsmittel für die Wissenschaft und als eine schöne Erinnerung für uns. |
Digitale Spiegelreflexkameras erhalten Einzug in Fernsehen und Kino
FS schreibt in News und Web-Tipps am 23.11.2010

Canon EOS 5D Mark II (Foto: Charles Lanteigne)
Bereits Anfang des Jahres berichteten wir über die die neuen Möglichkeiten, hochwertige Videos mit Spiegelreflexkameras (siehe Filmen mit DSLRs) zu produzieren. Zuerst wurde diese Möglichkeit vor allem von begeisterten Amateuren genutzt, aber inzwischen erhalten Spiegelreflexkameras auch Einzug in Kino- und Fernsehproduktionen.
So wurde beispielsweise das Staffelfinale der beliebten Fernsehserie Dr. House vollständig auf Canon EOS 5D Mark II Kameras gedreht. In einem Interview waren die Produzenten besonders begeistert von dem geringen Platzbedarf der Kameras. So mussten sie keine Sets bauen, die man auseinander nehmen können muss, um schweres Gerät darin zu platzieren. Das kam auch den Schauspielern sehr entgegen, die dadurch in sehr realistischen Umgebungen spielen konnten. Greg Yaitanes, Executive Producer, war auch sehr von der gesteigerten Tiefenwirkung der Spiegelreflexkamera begeistert:
“Ich war von der Videoästhetik sehr angetan, denn sie war mehr als filmisch. Sie ermöglichte es auf ganz neue Art, die Darsteller aus dem Hintergrund zu lösen und dem Zuschauer direkt vor das Gesicht zu setzen. Die Kamera ermöglichte eine Intimität, wie ich sie bislang weder auf Film noch Digital gesehen hatte.”
Für Filmemacher hat Tiefenunschärfe von Vollformat-Spiegelreflexkameras (siehe auch unser Grundlagenartikel über Sensorgrößen) tatsächlich eine neue Dimension. Man übersieht nämlich leicht, dass das 35mm-Kleinbildformat (36 × 24mm) effektiv größer ist, als das 35mm-Kinoformat (bis zu 25,00 × 18,75 mm – je nach Technik). Der Filmstreifen ist zwar genauso breit, jedoch liegen die Einzelbilder im Kleinbild längs zum Streifen, während sie in Filmkameras quer zur Filmrichtung liegen. Dadurch wird im Kleinbildformat letztlich mehr Bildfläche genutzt, als im 35mm-Kinofilm.
Auch die Neuauflage der Krimiserie Hawaii Fünf-Null, die dieses Jahr in den USA angelaufen ist, nutzt in einzelnen Szenen immer wieder Spiegelreflexkameras. Sogar Kinoproduktionen experimentieren mit den neuen Kameras, wenn auch bislang mehr in Independent-Produktionen oder nur in wenigen Szenen. Beispielsweise wurde der Film Rubber vollständig auf einer 5D Mark II gedreht.
Bislang wird diese Nische fast ausschließlich von Canon dominiert. Der Hersteller hat mit der EOS 5D Mark II noch immer die einzige relevante Vollformat-Videokamera im Programm und bedient inzwischen mit der 550D auch das APS-C-Format, welches immerhin noch fast genauso groß wie 35mm-Kinofilm ist. Im Amateur-Bereich sind die wichtigsten Konkurrenten Panasonic mit der Lumix GH1 und seit kurzem auch wieder Nikon mit der D7000. Beide Kameras haben jedoch keinen Vollformatsensor.
Für Fotografen bietet dieser Trend ganz neue Möglichkeiten, denn viele Fotografen wollen sich früher oder später auch einmal am Bewegtbild versuchen. Noch vor wenigen Jahren musste man dafür stets eine separate Kamera kaufen, die dann auch noch durch die damals kleinen Sensoren in Videokameras fundamental schlechtere Bilder als die unerschwinglichen Filmkameras produzierte. Inzwischen reicht bereits eine neuere Spiegelreflexkamera und ein wenig Zubehör, wie Tonaufnahmegeräte und Mikrofone.
Natürlich gehört noch immer mehr dazu, einen hervorragenden Film zu drehen, als nur eine gute Kamera zu haben – zum Beispiel gute Beleuchtung und Set-Design. Doch dank den modernen Spiegelreflexkameras findet man zumindest einen einfachen Einstieg um bereits sehr gute Aufnahmen zu produzieren.
Sony SLT-A33 & SLT-A55V: Neues Kamerakonzept
FS schreibt in News und Web-Tipps am 04.11.2010
Sony hat zwei Kameras angekündigt, die ein neues Konzept verfolgen: Spiegelreflexkameras mit fixiertem, halbdurchlässigen Spiegel.

Sony SLT-A33
Bei klassischen Spiegelreflexkameras kann das Licht zwei Wege nehmen. Durch einen vor dem Sensor positionierten Spiegel wird es nach oben in einen optischen Sucher abgelenkt. Während der Aufnahme (oder beim Einsatz von LiveView) wird der Spiegel hochgeklappt, und das Licht fällt stattdessen auf den Sensor.
Bei den neuen Sony-Kameras SLT-A33 und -A55V bleibt der Spiegel hingegen immer vor dem Sensor. Er leitet jedoch nicht das ganze Licht um, sondern nur einen Teil. Ca. 70% gelangen trotzdem bis zum Sensor. Das abgeleitete Licht wird aber nicht für einen optischen Sucher verwendet, sondern zu Autofokus-Sensoren geleitet. Dadurch kann der von Spiegelreflexkameras bekannte Phasenautofokus verwendet werden, der deutlich schneller ist, als der Kontrastautofokus, der über den Sensor genutzt werden kann.
So können Sonys neue Kameras auch im Video- und LiveView-Modus die schnelle Autofokus-Technik einsetzen. Bei den Konkurrenzprodukten von Canon und Nikon war der langsame Autofokus in diesen Modi bislang immer eine deutliche Schwachstelle.
Die überarbeiteten Bildsensoren sollen trotz des dreißigprozentigen Lichtverlusts durch den Spiegel eine Empfindlichkeit von ISO 100 bis ISO 12800 erreichen. Die Auflösung beträgt 16,2 Megapixel bei der A55V und 14,2 Megapixel bei der A33. Beide Sensoren haben das APS-C-Format.
Die Kameras verfügen über eine Video-Funktion, die in AVCHD in 1080i50 mit ca. 17MBit/s aufzeichnet. Alternativ steht ein MP4-Modus in 1.440 x 1.080 oder 640 x 480 bei jeweils 25 Vollbildern pro Sekunde zur Verfügung. Es gibt jedoch kaum manuelle Belichtungseinstellungen.
Die Kameras sollen ab September im Fachhandel sein und ohne Objektiv 649,00 Euro (SLT-A33) bzw. 749,00 Euro (SLT-A55V) kosten. Kit-Angebote sind ebenfalls verfügbar.
Fotografie Grundkurs (8/11): Objektive
ES schreibt in Foto-Know-How am 24.10.2010

Canon EF 16-35mm 1:2.8L II USM
Eine Kamera besteht aus einem Objektiv und einem Kameragehäuse. Bei Kompaktkameras sind die Objektive meist fest mit dem Gehäuse verbunden, wogegen bei Spiegelreflexkameras sogenannte Wechselobjektive verwendet werden. Der Artikel konzentriert sich auf diese austauschbaren Objektive, die wichtigsten Eigenschaften sind jedoch auch bei Objektiven, welche bei Kompaktkameras zum Einsatz kommen, die gleichen.
Die Bezeichnungen von Objektiven geben Aufschluss über die technischen Eigenschaften. Als Beispiel hier eine Objektiv-Bezeichnung: Canon EF 24-70mm 1:2.8L USM
Canon steht für den Hersteller, EF bezeichnet den Anschlusstyp, 27-70mm bezeichnet die Brennweite, die Lichtstärke wird mit 1:2,8 angegeben, L steht für eine bestimmte Klasse von Canon Objektiven und USM für Ultraschallmotor. Doch was heißt das alles genau?
Anschluss
Verschiedene Hersteller verwenden verschiedene Anschlüsse. Canon arbeitet mit EF- und Nikon mit F-Anschlüssen, auch Bajonette genannt. Bei Canon gibt es dabei noch den Zusatz S, zusammengesetzt dann EF-S Objektive. Das Bild, welches diese in der Kamera abbilden, ist kleiner und deshalb nur für kleinere Sensoren geeignet, etwas für APS-C Sensoren der Canon 550D (siehe auch Teil 5 dieser Reihe: Sensorgrößen). Bei Nikon werden Objektive für diese Sensorgrößen mit der Abkürzung DX gekennzeichnet.
Brennweite
Objektive unterscheiden sich hinsichtlich ihrer Brennweite. Je größer die Brennweite ist, desto größer ist das zu fotografierende Objekt auf dem Foto. Bei einem Vollformat-Sensor bezeichnet man 50 mm als Normalbrennweite. In der Theorie wird diese durch die Diagonale des Aufnahmeformates festgelegt und wäre damit genau genommen 43,3 mm, was in der Praxis allerdings meist nicht verwendet wird. Alle Objektive mit einer Brennweite größer als der Normalbrennweite werden als Teleobjektive und alle Objektive mit einer Brennweite kleiner als die Normalbrennweite werden als Weitwinkelobjektive bezeichnet. Bei einem APS-C Sensor liegt die Normalbrennweite bei ca. 28 mm.
Wenn ein Objektiv nur eine Brennweite besitzt spricht man von einer Festbrennweite. Bei einer variablen Brennweite spricht man von einem Zoomobjektiv. Aus dem vorherigen Beispiel ist ein 24-70 mm Objektiv also ein Zoomobjektiv. Wenn man dies mit einem Vollformat-Sensor verwendet, so bietet es Spielraum für Weitwinkel- und Teleaufnahmen.
Lichtstärke
Die Lichtstärke wird angegeben in einem Verhältnis. In dem Beispiel wird dies mit 1:2,8 getan, aber auch f/2.8 oder f2,8 sind gebräuchliche Schreibweisen. Dieses Verhältnis wird in der Praxis meist weggelassen und man spricht nur noch von einer Blende 2,8. Je niedriger die Zahl desto größer die Lichtstärke des Objektives. Die Lichtstärke ist zum einen wichtig für Situationen mit wenig Licht, aber auch für die Schärfentiefe. Mehr dazu in Teil 1 dieser Reihe: Belichtung. Manchmal findet man auch hier die Angabe eines Bereiches und nicht einer Zahl, so zum Beispiel 1:3,5-5,6. Dies kommt bei Zoomobjektiven oft vor, da in den Bereichen mit niedriger Brennweite die Lichtstärke größer ist als bei höheren Brennweiten.
Abbildungsfehler
Leider ist kein Objektiv vollkommen. Alles was von einer idealen korrekten Abbildung abweicht wird als Abbildungsfehler oder Aberration bezeichnet. Diese können sich auf verschiedene Bereiche wie Schärfe oder Farben auswirken. Ein Objektiv besteht aus mehreren Linsen, welche diese Fehler möglichst gering halten sollen. Sind die Abbildungsfehler gering, so spricht man von einer guten Bildqualität. Das L hinter dem Blendenwert steht für die L-Serie von Canon, welche für geringe Aberrationen steht. Bei Nikon tragen diese Objektive die Abkürzung ED. Wie gut die Bildqualität eines Objektives wirklich ist können jedoch nur ausführliche Tests bezeugen.
Autofokus
Heute ist der Autofokus bei Objektiven Standard und Objektive mit manuellem Fokus die seltene Ausnahme. Unterschiede gibt es bei den Autofokus-Objektiven (AF-Objektive) aber trotzdem. Die edle Variante wird auch mit USM abgekürzt und steht für Ultraschallmotor. Diese Objektive sind beim Betrieb mit Autofokus besonders schnell und leise. Bein Nikon heißt das Ultraschallsystem SWM und die Objektive enthalten die Abkürzung AF-S.
Bildstabilisator
Ab einer höheren Brennweite sorgen Bildstabilisatoren dafür, dass das Bild nicht verwackelt wird. Canon nennt dies IS und Nikon VR oder VR II. Gerade wer ohne Stativ aus der Hand bei hoher Brennweite Aufnahmen machen will sollte darauf achten.
Spezialobjektive
Jedes Objektiv kann nur bis zu einer bestimmten Entfernung vor der Kamera ein Objekt scharf stellen. Diese Entfernung wird als Naheinstellgrenze bezeichnet. Dies verhindert Objekte sehr groß darzustellen. Diese Art der Fotografie wird Makrofotografie genannt. Neben Zoomobjektiven mit Makro-Funktion, welche keine sehr gute Qualität liefern, gibt es noch spezielle Makro-Objektive.
Tilt-und-Shift-Objektive sind Spezialobjektive, welche erlauben stürzende Linien wie etwas bei hohen Gebäude zu begradigen und die Schärfeebene zu verstellen.
Ein Fischaugenobjektiv hat eine sehr kleine Brennweite und unterscheidet sich von einem Weitwinkel dadurch, dass das Bild räumlich gekrümmt abgebildet wird.
Fazit
Die Wahl eines oder mehrerer Objektive ist schwer. Profis können stundenlang darüber diskutieren. Vor allem entscheidet hierbei der Einsatzzweck und der Geldbeutel. Die Bildqualität von Festbrennweiten ist in der Regel deutlich besser als von Zoomobjektiven, doch nicht immer will man mit einem ganzen Satz von Objektiven unterwegs sein, noch hat man immer die Zeit ein Objektiv zu wechseln – ein Zoom hat da eindeutig die Nase vorn. Die Verwendung von Festbrennweiten kann jedoch auch die Qualität der Fotos steigern, indem man sich das Leben nicht zu einfach macht und zoomt, sondern sich über die Raumwirkung unterschiedlicher Brennweiten und Objektabstände Gedanken macht und auch mal ein paar Schritte mehr geht für ein schönes Foto. Auch eine größere Lichtstärke bieten Festbrennweiten.
Man muss sich aber nicht ausschließlich für Zoomobjektive oder Festbrennweiten entscheiden. Ein Zoomobjektive für alle Lebenslagen und ein lichtstarkes Objektiv mit Normalbrennweite wären auch eine mögliche Kombination.
Was die Bildqualität angeht, so wird vor allem der Geldbeutel entscheiden. Objektive in den oberen Preisklassen kosten immerhin mehr als die meisten Kameras. Ebenso sind Ultraschallmotoren und Bildstabilisatoren eine Frage des Geldes.
Was die Brennweite angeht, so ist meist es nützlich sowohl die Normalbrennweite, also auch etwas für den Weitwinkel- und Telebereich zu haben. Zoomobjektive die mit Spiegelreflexkameras im Paket kommen bieten genau diese Brennweitenbereiche. Wer dagegen Tiere in der freien Wildbahn fotografiert, der hat mit einem guten Teleobjektiv sicherlich Vorteile. Ein Weitwinkel ist von Vorteil, wenn man auch in kleinen Räumen möglichst viel abbilden will.
Wer oft innerhalb von Gebäuden, Abends oder bei Konzerten und Veranstaltungen fotografiert, für den kann sich die Investition in lichtstarke Objektive lohnen.















