Grundlagen der Sportfotografie


sportfotografie_rennradZwar heißt es im Allgemeinen, dass gute Fotos vor allem vom Fotografen und nicht von der Ausrüstung abhängt, doch die Sportfotografie zählt leider zu den Disziplinen, bei denen Technik eine überproportionale Rolle spielt.
Die meisten Sportarten beinhalten schnelle Bewegungen, denen man sich nicht beliebig nähern kann.
Belichtungszeiten unter 1/250s führen sehr schnell zu verschwommenen Aufnahmen.
Wer über lichtstarke Objektive und eine Kamera mit lichtempfindlichem Sensor verfügt, ist hier klar im Vorteil.

sportfotografie_skiManche Sportarten kommen dem Fotografen hier entgegen, indem sie im Freien bei Tageslicht stattfinden. Keine künstliche Lichtquelle bringt so viel Licht wie die strahlende Sonne.
Winterliche Sportarten bieten einen weiteren Vorteil: Schnee reflektiert das auftreffende Licht, sodass die verfügbare Lichtmenge noch weiter gesteigert wird.
Hallensportarten werden hingegen ohne entsprechende Ausrüstung  schnell zu einem Problem.
Schon in der Wahl des Motivs hat man hier also einige Chancen, technische Schwächen wieder auszugleichen.

sportfotografie_skateboardDurch die Entfernung zum Geschehen ist man meist auf Teleobjektive angewiesen. Beim Fußball kann man 100-400mm gut gebrauchen, beim Basketball reicht auch ein etwas verbreiteteres 70-200mm-Tele.

Auch hier kann man bei der Wahl der Sportart viel gewinnen, denn beispielsweise beim Skateboarding macht auch ein Weitwinkel Spaß, noch besser ist ein Fisheye Objektiv. Dieses ermöglicht extrem weitwinkelige Aufnahmen bis 180° Blickwinkel.
Entsprechende Aufsätze sind schon für günstiges Geld auch für Kompaktkameras erhältlich.

Ein Bildstabilisator im Objektiv ist zwar allgemein eine tolle Sache, hilft in der Sportfotografie nur begrenzt. Denn hier wird bei längeren Belichtungszeiten nicht das Verwackeln zum Problem, sondern das sich bewegende Motiv. Und das kann ein Stabilisator auch nicht ausgleichen. Er kann aber natürlich helfen, die entfernteren ruhigeren Momente besser zu fotografieren.

Das gleiche gilt im Prinzip für Stative. Durch die benötigten kurzen Belichtungszeiten hat man eher weniger Probleme mit Verwacklungen. Dafür sind sie aber auch nicht teuer und ein einfacher Weg zumindest eine Fehlerquelle einzudämmen. Es empfiehlt sich aber, statt der verbreiteten Dreibeinstative ein Einbeinstativ zu verwenden. Auf einem Einbeinstativ kann man die Kamera wesentlich schneller dem Geschehen nachführen, als wenn man erst ein Dreibeinstativ verstellen muss.

Auch für den Autofokus stellt die Sportfotografie eine Herausforderung dar. Er muss hier besonders schnell arbeiten und die Schärfe bei Bewegungen nachführen können. Hier hat die Technik in den letzten Jahren zum Glück große Fortschritte gemacht, sodass auch Kameras außerhalb des Profisegments schnelle Autofokus-Funktionen aufweisen können. Bei Nikon nennt sich die passende Einstellung beispielsweise „kontinuierlicher Autofokus (AF-C)“.

In der Bildkomposition empfiehlt es sich, tendenziell etwas mehr abzulichten, als unbedingt nötig. Selbst günstige Kameras bieten inzwischen so viel Auflösung, dass man für die meisten Zwecke nicht jeden Pixel davon zwangsweise braucht. Dadurch kann man in der Nachbearbeitung noch den perfekten Bildausschnitt herausschneiden, den man live in der Hektik vielleicht verpatzt hätte.

sportfotografieBei der Wahl des Bildformates kommt es auf die Geschwindigkeit der Kamera an. Auch wenn der RAW-Modus sonst fast uneingeschränkt empfehlbar ist, kann die Sportfotografie eine Ausnahme sein.
Hier muss man in der Lage sein, in wichtigen Momenten schnell viele Bilder hintereinander zu schießen.
Wenn der Zwischenspeicher aber nur für 3 RAW-Bilder reicht, handelt man sich damit mehr verpasste Gelegenheiten ein, als die flexiblere Nachbearbeitung Vorteile bringt.
Sollte die Kamera in der RAW-Disziplin eher langsam sein wäre JPEG vorzuziehen.

Doch Vorsicht: Auch wenn digitaler Speicherplatz billig ist, kommt es doch vor allem auf die Schlüsselmomente an. Als Fotograf sollte man nicht versuchen das gesamte Spiel lückenlos zu dokumentieren. Einige wenige ausdrucksstarke Momente zählen mehr als 100 technisch saubere Standardaufnahmen.

Und natürlich gilt wie bei jedem Fotoshooting auch in der Sportfotografie die Regel, dass es sich auszahlt sich zuvor mit Ort und Motiv zu beschäftigen. So verliert man während des Ereignisses weniger Zeit mit der Motivsuche und kann besser abschätzen, wann besonders spannende Momente zu erwarten sind.

spiegelreflexkameraTechnik ist nicht alles

Auch wenn teuere Kameras in der Sportfotografie einen besonderen Vorteil bieten, sind Fotografen mit erschwinglicher Ausrüstung glücklicherweise nicht ausgeschlossen. Wessen Kamera die Aufnahme entfernter Aktionen nicht genießen lässt, kann sich auch den ruhigeren Momenten des Sports widmen.

Denn auch wenn die eigene Kamera vielleicht nicht in der Lage ist die Fußballspieler in vollem Lauf am anderen Ende des Spielfeldes sinnvoll einzufangen, bietet der jubelnde Trainer in ein paar Metern Entfernung vielleicht ein ebenso faszinierendes Bild. Und auch die Spieler oder Athleten haben ihre ruhigen Momente, in denen man ihren Gesichtern vielleicht sogar mehr ablesen kann, als in voller Aktion.

Ebenso bietet das Umfeld des Sports meist diverse spannende Bildmomente. Schreiende Zuschauer, ernstes Sicherheitspersonal, oder auch die Gruppe techniküberladener Sportfotografen – sie alle können auch mit einfachen Mitteln in faszinierende Aufnahmen gebannt werden.

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