Fotografie Grundkurs (4/11): Weißabgleich


weissabgleichAuch wenn wir Licht meistens als weiß wahrnehmen, ist nicht jede Lichtquelle gleich weiß. Je nach Art der Lichtquelle kann sich die Farbe des Lichts teils deutlich unterscheiden. Das menschliche Auge passt sich daran automatisch an, sodass die unterschiedlichen Lichtfarben nicht so sehr auffallen. Bei Kameras nennt sich diese Anpassung “Weißabgleich”.

Weißes Licht setzt sich aus allen Teilen des vom Menschen wahrnehmbaren Farbspektrums von Violett über Blau, Grün, Geld bis Rot zusammen. Allerdings strahlt nicht jede Lichtquelle die einzelnen Farbanteile in gleichem Maße ab. Je nach Art der Lichterzeugung gibt es Schwerpunkte in verschiedenen Farbbereichen.

Um diese Farbgewichtung zu beschreiben spricht man von der sogenannten Farbtemperatur. Diese bezieht sich auf das Licht, das von einem theoretischen idealen schwarzen Körper abgegeben wird, wenn er glühend heiß wird. Das Licht der Sonne beispielsweise entspricht dem eines schwarzen Körpers bei 5600 Kelvin (ungefähr 5 326 Grad Celsius). Das Licht von Glühlampen hingegen entspricht ungefähr einem schwarzen Körper bei 2300 Kelvin (2 026 Grad Celsius). Je heißer der Körper glüht, desto bläulicher wird das Licht.

Letztendlich hat fast jede Lichtquelle ihre eigene Farbe. Selbst die Sonne verändert ihre Lichttemperatur je nach Tageszeit, Bewölkung und Luftreinheit. Die Farbtemperatur von Glühbirnen schwankt leicht von Hersteller zu Hersteller und ist anders als die von Neonröhren, die sich ebenfalls untereinander stark unterscheiden. Konstant sind lediglich speziell zur Beleuchtung gefertigte Leuchtmittel, die auf bestimmte Farbtemperaturen (meist 3400 Kelvin für Kunstlicht, oder 5600 Kelvin für Tageslicht) justiert sind.

Damit wir die Welt nicht andauernd mit einem Farbstich wahrnehmen, passt sich unsere Wahrnehmung laufend daran an. So kommt es, dass wir ein weißes Blatt Papier auch immer als weiß wahrnehmen, egal ob wir es unter blauem Himmel oder gelben Kerzenlicht ansehen. Bei Digitalkameras übernimmt diese Funktion der Weißabgleich. Er gewichtet die vom Sensor aufgefangenen Farben so, dass wieder ein möglichst reines Weiß herauskommt.

Das gleiche Bild mit idealem Weißabgleich (links, 4600K), Weißabgleich für Kunstlicht (mitte, 2300K) und der Tageslicht-Voreinstellung (rechts, 5500K).

Das gleiche Bild mit idealem Weißabgleich (links, 4600K), Weißabgleich für Kunstlicht (mitte, 2300K) und der Tageslicht-Voreinstellung (rechts, 5500K).

Dabei kann man als Fotograf zwischen verschiedenen Weißabgleich-Modi wählen. Es gibt den automatischen Weißabgleich, den manuellen Weißabgleich und vorgegebene Weißabgleiche.

Beim automatischen Weißabgleich entscheidet die Kamera während der Aufnahme, wie die Farben gewichtet werden sollen. Dies kann immer nur eine möglichst genaue Schätzung sein, denn die Möglichkeiten der Kamera, um die Farbtemperatur wirklich zu messen, sind stark begrenzt. Dennoch beherrschen moderne Kameras diese Automatik inzwischen sehr gut, sodass die Fehlerrate gering ist. In schwierigen Lichtsituationen kann die Kamera jedoch durchaus auch einmal daneben liegen. Zudem misst die Kamera bei jedem Foto erneut. Man läuft also Gefahr, dass in einer Bildreihe verschiedene Fotos auch einen unterschiedlichen Weißabgleich und damit unterschiedliche Farbigkeit aufweisen.

Wer einen perfekten Weißabgleich erzielen will, kommt um den manuellen Modus nicht herum. Hierbei fotografiert man eine weiße Fläche, wie beispielsweise ein Blatt Papier, oder eine spezielle “Weißkarte”, formatfüllend. Die Kamera kann dann daraus den perfekten Weißabgleich bestimmen, sodass diese weiße Fläche auch wirklich reinweiß ist. Wie genau der manuelle Weißabgleich ausgelöst wird, ist von Kamera zu Kamera verschieden und wird im Handbuch der jeweiligen Kamera beschrieben. Das grundlegende Prinzip ist jedoch stets das gleiche.

Eine Zwischenform stellen die Weißabgleichsvoreinstellungen, häufig auch Presets genannt, dar. Hier kann der Fotograf aus verschiedenen Voreinstellungen auswählen. Je nach Kamera gibt es unterschiedlich viele dieser Voreinstellungen. Beispielsweise für Tageslicht, Kunstlicht, Neonlicht, Blitzlicht und schattiges Tageslicht. Im Vergleich zum manuellen Weißabgleich ist diese Methode deutlich unkomplizierter und schneller, ist aber dafür nicht so exakt. Im Gegensatz zum automatischen Weißabgleich kann man sich darauf verlassen, dass der Weißabgleich für jedes Bild konstant bleibt. Für viele alltägliche Lichtsituationen sind die Voreinstellungen durchaus genau genug.

Nachträgliche Anpassung des Weißabgeichs in Adobe Camera Raw

Nachträgliche Anpassung des Weißabgeichs in Adobe Camera Raw

Auch der beste Weißabgleich hilft jedoch nicht, wenn das Objekt von unterschiedlichen Lichtquellen beleuchtet wird. Bei solch einem Mischlicht muss man sich entscheiden, welches Licht man neutral wiedergeben möchte, und welches zu einem Farbstich führt. In solchen Grenzsituationen empfielt sich besonders ein manueller Weißabgleich, oder die Auswahl einer Voreinstellung, da der automatische Weißabgleich zu besonders unberechenbare Ergebnissen führt.

Wer im RAW-Format fotografiert hat beim Weißabgleich übrigens einen gewichtigen Vorteil: Dieser kann bei RAW auch im Nachhinein noch verändert werden (siehe “Raw vs. JPEG” aus dieser Reihe). In Raw-Konvertern wie beispielsweise Adobe Camera RAW kann man den Weißabgleich in kleinsten Schritten anpassen und ausprobieren. Dadurch kann man der Wahl des Weißabgleichs bei der Aufnahme entlassener entgegen sehen.