Foto-Know-How
Die Blaue und die Goldene Stunde – Bestes Licht für Fotos berechnen
MB schreibt in Foto-Know-How am 20.07.2010
Immer wieder hört man in der Fotografie von der “Blauen Stunde”, ab und zu auch von der “Goldenen Stunde”. Was hat es damit auf sich?
Die so genannte “Blaue Stunde” hat zwar nichts mit Alkohol, aber trotzdem mit Stimmung zu tun. Es ist ein Teil der Morgen- oder Abenddämmerung. Beim Sonnenaufgang wird durch die Atmosphäre Licht verschiedenster Wellenlängen herausgefiltert. Anfänglich kommt nur Blau durch, da es die kürzeste für Menschen sichtbare Wellenlänge hat. Durch das indirekt eintreffende Licht gibt es weder harte Schatten noch zu extreme Kontraste.
Da noch nicht viel Licht vorhanden ist, benötigt man dafür meist ein Stativ sowie etwas längere Belichtungszeiten. In dieser Zeit aufgenommene Bilder wirken mystisch und geheimnisvoll. Meist hat man dafür ca. 40 Minuten Zeit, weshalb die Bezeichnung “Stunde” etwas übertrieben wirkt.
Danach folgt die “Goldene Stunde”, wenn die Sonne noch ganz tief steht und alles in ein warmes, goldenes Rot taucht. Das sieht vor allem spektakulär aus, wenn Wolken und Berge schon Orange leuchten, während das Tal noch in kühlesn dunkles Blau getaucht ist. Die Goldene Stunde dauert ca. 50 Minuten und hat den Namen “Stunde” schon eher verdient.
Insgesamt also ein Zeitfenster von zwei Stunden, in denen stimmungsvolle Bilder möglich werden.
Das Ganze in umgekehrter Reihenfolge gilt dann auch beim Sonnenuntergang. Für gute Landschaftsfotos sollte der Fotograf also entweder früh aufstehen, oder spät zu Bett gehen.
Unter diesem Link gibt es einen Dämmerungsrechner. Das geniale Tool verrät abhängig vom Standpunkt die Zeiten für blaue und goldene Stunde, sowie den Winkel in dem die Sonne auf- und untergeht. Ideal um sich fürs perfekte Foto vorzubereiten!
Fotografie Grundkurs (5/11): Sensorgrößen
FS schreibt in Foto-Know-How am 12.07.2010
Viele Dinge können sich zwischen Kameras unterscheiden, aber nur weniges hat so viel Einfluss auf das spätere Bild, wie die Größe des verwendeten Sensors. In heutigen Digitalkameras findet sich eine Vielzahl verschiedener Sensorgrößen – vom winzigen Sensor der Handykamera bis zum Vollformatsensor in den Spiegelreflexkameras der Oberklasse.
Lichtempfindlichkeit
Je größer ein Sensor ist, auf desto mehr Fläche kann er Licht aufnehmen. Große Sensoren bieten dadurch entweder mehr Pixel bei gleicher Lichtempfindlichkeit, oder eine höhere Lichtempfindlichkeit mit dem damit einhergehenden besseren Rauschverhalten.
Die kleinen Sensoren sind der primäre Grund, weshalb man bei Kompaktkameras häufig schon bei ISO 400 Probleme mit Bildrauschen bekommt, während Spiegelreflexkameras mit ihren größeren Sensoren auch bei ISO 1200 noch brauchbare Bilder aufnehmen können.
Tiefenschärfe
Noch direkter sichtbar ist der Einfluss der Sensorgröße auf die Tiefenschärfe. Je kleiner der Sensor ist, desto größer ist der Bereich, in dem Objekte mit unterschiedlichem Abstand zur Kamera noch scharf ebgebildet werden können – die gleiche Blendeneinstellung vorausgesetzt, da die Blende ebenfalls einfluss auf die Tiefenschärfe hat (siehe Teil 1 dieses Grundkurses). Bei einem größeren Sensor muss man dementsprechend genauer scharfstellen.
Der mit großen Sensoren einhergehende intensivere Schärfeverlauf in die Tiefe kann ästhetisch sehr schön eingesetzt werden, weshalb viele Fotografen Kameras mit großen Sensoren bevorzugen. Kompaktkameras haben teilweise so kleine Sensoren, dass es fast unmöglich wird einen schönen Schärfeverlauf zu produzieren.
Cropfaktor
Mit der Sensorgröße ändert sich auch die Wirkung der Objektiv-Brennweite. Gängige Begriffe für diesen Effekt sind Verlängerungsfaktor und Cropfaktor. Die Wirkung dieses Effektes kann man sich sehr leicht verdeutlichen: Ein Objektiv tut nichts anderes, als ein Bild auf eine Fläche zu projezieren. Auf dieser Fläche befindet sich der Sensor, der das Bild dann aufzeichnet. Ist der Sensor kleiner, zeichnet er einen kleineren Teil der Fläche auf. Die Wirkung ist die gleiche, wie wenn man von einem ausgedruckten Foto nur einen Ausschnitt (to crop (engl.): zuschneiden) betrachtet. Im Vergleich zum vollen Foto wirkt der Ausschnitt wie herangezoomt.
Eine Brennweite auf einem kleinen Sensor wirkt also wie eine größere Brennweite auf einem größeren Sensor. Während Fotografen im Kleinbildformat 85mm-Objektive für Portraits bevorzugen, gilt bei kleineren APS-C-Sensoren die 50mm-Brennweite als Portrait-Objektiv. Daher spricht man umgangssprachlich auch von einer Brennweitenverlängerung auf kleineren Sensoren. Technisch ist das allerdings nicht ganz korrekt, denn die Brennweite des Objektivs ist eine feste physikalische Größe, die sich nicht ändert – nur die Wirkung ändert sich.
Preis
Ein letzter, nicht unwesentlicher Faktor, ist der Preis. Kleine Sensoren sind deutlich günstiger zu produzieren, da im gleichen Produktionsschritt mehr Sensoren produziert werden können. Gleichzeitig müssen auch die Objektive das Bild auf eine größere Fläche abbilden können, wodurch auch ihr Preis steigt. Dementsprechend finden sich große Sensoren auch nur in entsprechend teuren Kameras.
Gängige Sensorgrößen
Fotosensoren gibt es in sehr zahlreichen verschiedenen Größen, aber im Laufe der Zeit haben sich einige Klassen herausgebildet.

Die wichtigsten Sensorgrößen im Vergleich
Vollformat
Unter Vollformatsensoren versteht man Sensoren, die dem Format von ursprünglichen Kleinbildfilm, also 36 mm x 24 mm, annähernd entsprechen. Beispiele für Kameras mit Vollformatsensoren sind die Canon EOS 5D Mark II (35,8 mm × 23,9 mm), Canon EOS-1Ds Mark III (36 mm × 24 mm), Nikon D3s (36,0 mm × 23,9 mm) und Nikon D700 (36 mm x 23,9 mm).
APS-C
Die meisten preisgünstigeren Spiegelreflexkameras haben einen Sensor, der ungefähr dem APS-C-Format von 25,1 mm × 16,7 mm entspricht. Bekannte Beispiele sind hier die Canon EOS 550D (22,3 mm × 14,9 mm), Nikon D90 (23,6 mm × 15,8 mm) und Sony Alpha 500 (23,5 mm × 15,6 mm).
1/X”
Bei Kompaktkameras wird die Sensorgröße meist in der Form einer Zoll-Bruchzahl angegeben. Hier gibt es eine vielzahl von Größen, wie Beispielsweise 1/1,8″ (7,2 mm × 5,3 mm) und 1/3,2″ (4,5 mm × 3,4 mm). Typische Beispiele sind die Canon PowerShot S500 (7,2 mm x 5,3 mm), Nikon Coolpix 8800 (8,8 mm x 6,6 mm) und Konika Minolta DiMAGE Xg (5,3 mm x 4,0 mm).
Welche Größe ist die richtige für mich?
Die Wahl des richtigen Sensors hängt – wie so vieles in der Fotografie – vom Einsatzzweck ab. In den meisten Fällen geben größere Sensoren einem mehr kreative Möglichkeiten und eine bessere Bildqualität. Es gibt aber Einsatzzwecke, wo kleinere Sensoren durchaus Sinn machen.
So gibt es beispielsweise konstruktionsbedingt keine Kameras mit größeren Sensoren, die so klein wären, dass man sie problemlos in die Tasche stecken könnte. Geht es um maximale Portabilität, gibt es zu Kompaktkameras mit ihren kleinen Sensoren kaum eine Alternative.
Verlässt man den Bereich der kleinen Kameras, bieten Kameras mit APS-C-Sensoren meist einen vernünftigen Kompromiss aus Größe und Preis. Mit ihnen kann man bereits sehr schöne Schärfeverläufe nutzen, die Kameras sind häufig dennoch relativ handlich, bezahlbar und auch die Objektive sind günstiger als bei Vollformatkameras.
Fotografie Grundkurs (4/11): Weißabgleich
FS schreibt in Foto-Know-How am 20.06.2010
Auch wenn wir Licht meistens als weiß wahrnehmen, ist nicht jede Lichtquelle gleich weiß. Je nach Art der Lichtquelle kann sich die Farbe des Lichts teils deutlich unterscheiden. Das menschliche Auge passt sich daran automatisch an, sodass die unterschiedlichen Lichtfarben nicht so sehr auffallen. Bei Kameras nennt sich diese Anpassung “Weißabgleich”.
Weißes Licht setzt sich aus allen Teilen des vom Menschen wahrnehmbaren Farbspektrums von Violett über Blau, Grün, Geld bis Rot zusammen. Allerdings strahlt nicht jede Lichtquelle die einzelnen Farbanteile in gleichem Maße ab. Je nach Art der Lichterzeugung gibt es Schwerpunkte in verschiedenen Farbbereichen.
Um diese Farbgewichtung zu beschreiben spricht man von der sogenannten Farbtemperatur. Diese bezieht sich auf das Licht, das von einem theoretischen idealen schwarzen Körper abgegeben wird, wenn er glühend heiß wird. Das Licht der Sonne beispielsweise entspricht dem eines schwarzen Körpers bei 5600 Kelvin (ungefähr 5 326 Grad Celsius). Das Licht von Glühlampen hingegen entspricht ungefähr einem schwarzen Körper bei 2300 Kelvin (2 026 Grad Celsius). Je heißer der Körper glüht, desto bläulicher wird das Licht.
Letztendlich hat fast jede Lichtquelle ihre eigene Farbe. Selbst die Sonne verändert ihre Lichttemperatur je nach Tageszeit, Bewölkung und Luftreinheit. Die Farbtemperatur von Glühbirnen schwankt leicht von Hersteller zu Hersteller und ist anders als die von Neonröhren, die sich ebenfalls untereinander stark unterscheiden. Konstant sind lediglich speziell zur Beleuchtung gefertigte Leuchtmittel, die auf bestimmte Farbtemperaturen (meist 3400 Kelvin für Kunstlicht, oder 5600 Kelvin für Tageslicht) justiert sind.
Damit wir die Welt nicht andauernd mit einem Farbstich wahrnehmen, passt sich unsere Wahrnehmung laufend daran an. So kommt es, dass wir ein weißes Blatt Papier auch immer als weiß wahrnehmen, egal ob wir es unter blauem Himmel oder gelben Kerzenlicht ansehen. Bei Digitalkameras übernimmt diese Funktion der Weißabgleich. Er gewichtet die vom Sensor aufgefangenen Farben so, dass wieder ein möglichst reines Weiß herauskommt.

Das gleiche Bild mit idealem Weißabgleich (links, 4600K), Weißabgleich für Kunstlicht (mitte, 2300K) und der Tageslicht-Voreinstellung (rechts, 5500K).
Dabei kann man als Fotograf zwischen verschiedenen Weißabgleich-Modi wählen. Es gibt den automatischen Weißabgleich, den manuellen Weißabgleich und vorgegebene Weißabgleiche.
Beim automatischen Weißabgleich entscheidet die Kamera während der Aufnahme, wie die Farben gewichtet werden sollen. Dies kann immer nur eine möglichst genaue Schätzung sein, denn die Möglichkeiten der Kamera, um die Farbtemperatur wirklich zu messen, sind stark begrenzt. Dennoch beherrschen moderne Kameras diese Automatik inzwischen sehr gut, sodass die Fehlerrate gering ist. In schwierigen Lichtsituationen kann die Kamera jedoch durchaus auch einmal daneben liegen. Zudem misst die Kamera bei jedem Foto erneut. Man läuft also Gefahr, dass in einer Bildreihe verschiedene Fotos auch einen unterschiedlichen Weißabgleich und damit unterschiedliche Farbigkeit aufweisen.
Wer einen perfekten Weißabgleich erzielen will, kommt um den manuellen Modus nicht herum. Hierbei fotografiert man eine weiße Fläche, wie beispielsweise ein Blatt Papier, oder eine spezielle “Weißkarte”, formatfüllend. Die Kamera kann dann daraus den perfekten Weißabgleich bestimmen, sodass diese weiße Fläche auch wirklich reinweiß ist. Wie genau der manuelle Weißabgleich ausgelöst wird, ist von Kamera zu Kamera verschieden und wird im Handbuch der jeweiligen Kamera beschrieben. Das grundlegende Prinzip ist jedoch stets das gleiche.
Eine Zwischenform stellen die Weißabgleichsvoreinstellungen, häufig auch Presets genannt, dar. Hier kann der Fotograf aus verschiedenen Voreinstellungen auswählen. Je nach Kamera gibt es unterschiedlich viele dieser Voreinstellungen. Beispielsweise für Tageslicht, Kunstlicht, Neonlicht, Blitzlicht und schattiges Tageslicht. Im Vergleich zum manuellen Weißabgleich ist diese Methode deutlich unkomplizierter und schneller, ist aber dafür nicht so exakt. Im Gegensatz zum automatischen Weißabgleich kann man sich darauf verlassen, dass der Weißabgleich für jedes Bild konstant bleibt. Für viele alltägliche Lichtsituationen sind die Voreinstellungen durchaus genau genug.

Nachträgliche Anpassung des Weißabgeichs in Adobe Camera Raw
Auch der beste Weißabgleich hilft jedoch nicht, wenn das Objekt von unterschiedlichen Lichtquellen beleuchtet wird. Bei solch einem Mischlicht muss man sich entscheiden, welches Licht man neutral wiedergeben möchte, und welches zu einem Farbstich führt. In solchen Grenzsituationen empfielt sich besonders ein manueller Weißabgleich, oder die Auswahl einer Voreinstellung, da der automatische Weißabgleich zu besonders unberechenbare Ergebnissen führt.
Wer im RAW-Format fotografiert hat beim Weißabgleich übrigens einen gewichtigen Vorteil: Dieser kann bei RAW auch im Nachhinein noch verändert werden (siehe “Raw vs. JPEG” aus dieser Reihe). In Raw-Konvertern wie beispielsweise Adobe Camera RAW kann man den Weißabgleich in kleinsten Schritten anpassen und ausprobieren. Dadurch kann man der Wahl des Weißabgleichs bei der Aufnahme entlassener entgegen sehen.
Fotografie Grundkurs (3/11): RAW vs. JPEG
HS schreibt in Foto-Know-How am 23.05.2010
Welches Format ist geeigneter? Soll ich meine Aufnahmen in Raw oder Jpeg machen? Diese Fragen beschäftigen uns schon seit Beginn der Digitaltechnik. Doch bevor wir einen Überblick über die Vor-und Nachteile dieser beide Formate geben, möchten wir zunächst erklären was Raw und Jpeg eigentlich sind.
Das RAW Format
Im sogenannten Raw-Format werden die vom Sensor erfassten Bildinformationen möglichst unverändert aufgezeichnet. Daher spricht man auch von einem Rohdatenformat.
Ein großer Vorteil des Rohformates gegenüber Jpeg ist, dass wichtige gestalterische und qualitätsentscheidende Einstellungen wie z.B. Belichtung, Weißabgleich und Kontrast nicht bei der Speicherung in der Kamera festgelegt werden, sondern später bei der Umwandlung im RAW- Konverter beeinflusst werden können.
Besonders die Möglichkeiten der Belichtungskorrektur während der Konvertierung erweißt sich als toller Vorteil gegenüber JPEG. Die RAW-Datei enthält alle Helligkeitsinformationen die der Sensor erfassen kann. Die Anzahl der Helligkeitsstufen bei Raw liegt zwischen 1.024 und 16.384 Abstufungen. Bei Jpeg dagegen werden nur 256 Helligkeitsabstufungen gespeichert. Welche Nachteile dies für JPEG-Aufnahmen mit sich bringt, wird etwas später in diesem Artikel erläutert. Die große Anzahl der aufgenommenen Helligkeitsstufen bei Raw bietet umfangreiche Möglichkeiten der Bildgestaltung und Korrekturen der Belichtung, wie an folgendem Beispiel gezeigt wird:

Durch das Anpassen der Helligkeit während des Konvertierungsvorgangs kann sowohl die Struktur der weißen Kuppel, als auch die Farbinformationen in den Schatten der Kirchenbänke herausgearbeitet werden. Das linke Bild zeigt die Aufnahme ohne Korrekturen. In der Mitte wurde die Helligkeit angehoben und im rechten Bild zeitgleich die Farbtemperatur angepasst.
Da RAW-Formate keine Kompression beinhalten, belegen sie jedoch erheblich mehr Speicherplatz als das komprimierte JPEG. Eine Raw-Aufnahme benötigt ca. den 3- fachen Speicherbedarf wie ein Jpeg der gleichen Größe. Dadurch passen weniger Bilder auf eine Speicherkarte und die Kamera braucht bedeutend länger um die Bilder zu speichern und wieder aufnahmebereit zu sein.
Zudem stellt eine RAW-Aufnahme in der Nachbearbeitung größere Ansprüche an den Rechner, da aus den Rohdaten erst ein darstellbares Bild errechnet werden muss. Für moderne PCs ist das normalerweise kein Problem, aber auf älteren Systemen ist der Unterschied durchaus spürbar.
Die Raw-Formate der einzelnen Hersteller sind nicht miteinander kompatibel und müssen mit einer herstellereigenen Software zur Bearbeitung in ein kompatibles Format umgewandelt werden. Mittlerweile enthält aber beinahe jede Bildbearbeitungssoftware einen integrierten Raw-Konverter. Dennoch bleibt die Unsicherheit ob die Original Rohdateien in einigen Jahren noch gelesen werden können, oder ob die dann verwendete Software das Format der eigenen Kamera eventuell nicht mehr beherrscht.
Hier bietet Adobe zukünftig eine Lösung an. Das “Digital Negative” (Abk: DNG) ist ein Archivformat, das verspricht, auch in Zukunft problemlos verarbeitet werden zu können. Der große Vorteil von DNG ist, dass die Bilder nicht mehr im herstellerspezifischen Format, sondern in einem verbreiteten Standard archiviert werden können. Somit ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass die Daten auch in Jahren noch lesbar sein werden. Zudem bietet DNG eine verlustfreie Kompression, die die Dateigröße etwas reduziert, ohne dabei die Vorteile des Rohdatenformats einzubüßen. Adobe bietet kostenfreie Konverter an, mit denen die Raw-Daten ihrer Kamera in das verlustfreie DNG Format gewandelt werden können. Kameras selbst können bisher nur selten direkt im DNG-Format aufnehmen.
Das JPEG Format
Im Gegensatz zum RAW-Format werden bei JPEG die vom Sensor erfassten Daten vor der Aufzeichnung bereits interpretiert. Dadurch lässt sich das Bild kompakter speichern, aber all die oben erwähnten Vorteile wie beispielsweise die nachträgliche Beeinflussung des Weißabgleichs gehen verloren.
Zudem ist die bei JPEG verwendete Kompression verlustbehaftet. Bei der Speicherung des Bildes gehen durch den Komprimierungsvorgang Informationen verloren. Ob und wie stark dieser Qualitätsverlust wahrnehmbar ist, ist abhängig von der Stärke der Kompression. Diese kann meist an der Kamera eingestellt werden. Der Qualitätsverlust bei jedem Speichervorgang spielt vor allem in der Nachbearbeitung eine Rolle. Wird die Jpeg-Datei geöffnet, verändert, gespeichert und anschließend wieder geschlossen so findet jedes Mal eine erneute Komprimierung statt. Mit jedem solchen Zyklus nimmt die Bildqualität des Jpegs ab und Kompressionartefakte werden schnell sichtbar.

Ausschnitt einer Jpeg Aufnahme nach dem 1. und nach dem 10. Speichervorgang
Wie schon zuvor erwähnt ist ein weitere Nachteil von JPEG die geringe Farbtiefe. Die Farbtiefe ist bei Jpeg auf 8 Bit pro Farbkanal beschränkt ist. Dies bedeutet, dass jedes Pixel eine von 256 Helligkeitsabstufungen beziehungsweise Farbwerten annehmen kann. Insgesamt lassen sich damit ca 16,7 Millionen unterschiedliche Farben darstellen. Auch wenn dies eine unvorstellbare hohe Zahl ist, sind 8 Bit Farbtiefe bei extremen Lichtverhältnissen nicht ausreichend um beispielsweise tiefe Schatten und sehr helle Lichter gleichzeitig darzustellen. Im Raw-Format hingegen sind die gebräuchlichen Farbtiefen 10, 12 oder 16 Bit Helligkeitsinformationen, woraus bei beispielsweise 16 Bit Farbtiefe pro Farbkanal 281474976710656 (ca. 281 Billionen) Farbmöglichkeiten entstehen.
Welches Format ist das richtige für mich?
Die Wahl des richtigen Formates hängt natürlich vom jeweiligen Einsatzzweck ab. Wünscht man sich eine maximale Flexibilität in der Nachbearbeitung, beispielsweise bei Studioaufnahmen, dann empfiehlt sich das RAW-Format.
Auch bei schwierigen Lichtsituationen bietet sich RAW an, da die größere Farbtiefe einem mehr Möglichkeiten zur späteren Korrektur bietet. Bei JPEG muss die Belichtung bereits bei der Aufnahme relativ genau stimmen.
Ist man darauf angewiesen, in kurzer Zeit möglichst viele Aufnahmen zu machen, beispielsweise in der Sportfotografie, dann ist JPEG eine naheliegende Wahl. RAW könnte zu Zwangspausen führen, in denen die Kamera die Bilder speichert. Zudem macht sich bei einer sowieso schon großen Anzahl an Fotos, auch der größere Speicherbedarf von RAW noch mehr bemerkbar.
Für Fotografie-Einsteiger bietet sich das JPEG-Format an, da es schlicht einfacher in der Handhabung ist und Ressourcen schont. Für Fotografen die sich auch nach diesem Artikel nicht entscheiden können bieten einige Kamerahersteller auch die Option “RAW & JPEG” an, welche schlicht beide Formate gleichzeitig speichert.
Erfahrungsbericht: Fotografieren in Marrakesch
ES schreibt in Foto-Know-How am 11.05.2010

Gebäude und Landschaften in den unterschiedlichsten Ocker-, Rot- und Braun-Tönen, eine Stadt voller interessanter Gesichter, welche ganz anders zu altern scheinen als die europäischen, und Stände voller farbiger Gewürze und frischem Obst. Marrakesch ist ein Paradies für den geneigten Fotografen, so möge man meinen. Allerdings fällt schnell auf, wie sich viele Leute weg drehen oder die Hand vor das Gesicht nehmen, sobald man die Kamera zückt.
Der durchschnittliche Marokkaner scheint nicht gerne fotografiert zu werden. Unterschiedliche Ursachen wurden mir dafür genannt. Zum einen gibt es das Bildverbot im Islam, welches die bildliche Darstellung von Lebewesen untersagt. Dies ist ein umstrittenes Thema, insbesondere da der Koran selbst kein Bildverbot enthält. Eine andere Ursache scheint ein Aberglaube zu sein, nach welchem ein Foto dem Fotografierten Lebensgeist einzieht.
Mit Respekt und Umsicht sollte man auf diese Ablehnung gegenüber dem Fotografieren eingehen. Wenn man vorher fragt, so kann man durchaus einige Leute finden, welche nichts gegen ein Foto einzuwenden haben. Nicht wenige halten danach die Hand auf und erwarten ein Entgelt für ihre Bereitschaft sich ablichten zu lassen. Das gilt sowohl für den kleinen spielenden Jungen als auch für den alten Greis. Besonders extrem ist dies auf dem Djemaa el Fna, dem zentralen und berühmten Marktplatz der Stadt. Der Platz füllt sich abends mit Leben, wenn die Essstände aufgebaut und die Geschichtenerzähler, Schauspieler, Schlangenbeschwörer und Musiker Publikum um sich scharen. Sobald man den Auslöser drückt oder gar mit Blitz fotografiert ist schon jemand aufgetaucht und hält die Hand für eine Gabe hin. Selbst wenn sich dutzende Leute in einem engen Kreis um ein Schauspiel stellen wird man in Windeseile gefunden. Sollte man nach gemachtem Foto nicht einsehen dafür Geld bezahlen zu müssen, so lernt man schnell, wie beharrlich und auch laut die Fotografierten sich zu beschweren wissen.
Auf Dauer fand ich dieses stetige Notwendigkeit des Verhandelns zu mühselig und packte meine Kamera immer seltener aus. Wer allerdings sehr kontaktfreudig ist und Gefallen am Feilschen findet, der kann sich vieler schöner Motive Gewiss sein.





